•  
  •  

Grundsätzliches

Nach der Geburt unserer Tochter war es sehr schwierig, an Informationen über die verschiedenen Operations- und Behandlungsmethoden heranzukommen. Auch bei der (komplexen und schwierigen) Bewertung der verschiedenen Behandlungsmethoden waren wir sehr auf uns gestellt. Über die deutsche Selbsthilfegruppe bekamen wir Adressen betroffener Eltern, die Erfahrungen mit verschiedenen Operationsmethoden gemacht hatten.

Im Spital

Wenige Tage nach der Geburt wurde uns im Spital unaufgefordert ein Kinderchirurg aus Bern vorgestellt, der offensichtlich stillschweigend davon ausging, dass er unsere Tochter nach seiner Methode operieren würde. Über die unterschiedlichen Operationsarten wurden wir in keiner Weise aufgeklärt. Wir hatten buchstäblich keine Ahnung, dass es auf auf diesem Gebiet einen Methodenpluralismus gibt. Umso mehr muss vom Spital erwartet werden, dass es umfassend über die unterschiedlichen Methoden aufklärt.

Das Dogma mehrmaliger Operationen

Die Operation eines Kindes mit einer LKG-Spalte wird nicht etwa überall nach einheitlichen Kriterien vorgenommen. Überspitzt gesagt: jeder Chirurg und jede Chirurgin hat da ihre eigenen Schnitt-Techniken und Überzeugungen.

Doch das ist nur der eine Aspekt. Die allermeisten Chirurgen operieren das Kind mehrmals - und tun so, als sei das "normal" und unausweichlich. Dabei wird regelmässig das folgende Vorgehen gewählt, wobei der genaue Zeitpunkt der jeweiligen Eingriffe stark schwanken kann: "Lippenverschluss und Nasenkorrektur mit 4 - 6 Monaten, Gaumenverschluss mit etwa 1 Jahr, Kieferverschluss mit Knochenverpflanzung mit etwa 7 Jahren. Zwischendurch müssen immer wieder Korrekturen vorgenommen werden, da das Narbengewebe nicht mitwächst"

Nachdem unsere Tochter auf die Welt gekommen war, meinte denn auch der vom Spital bestellte Chirurg: "das wird ca. 8 bis 10 Operationen geben" (!). 

Das Basler Konzept: Spaltverschluss in einer Operation

Ein Ziel dieser Homepage ist es, betroffene Eltern im Entscheidungsprozess darauf aufmerksam zu machen, dass es im Bereich der LKG-Chirurgie einen Methodenpluralismus gibt. Es gibt auch eine Alternative zu den "traditionellen" Operationsmethode: das Basler Konzept. Auf gut Deutsch heisst das verkürzt: es wird alles in einer einzigen Operationssitzung verschlossen (sog. einzeitiges Verfahren). 

Diese neuartige Methode wird seit Beginn der 90er Jahre in Basel am dortigen Universitätsspital praktiziert. Der eigentliche Pionier dieses Verfahrens ist PD Klaus Honigmann. Sein Nachfolger, Prof. Robert Sader aus München, führt die Methode in Frankfurt a.M. und in Basel weiter.

Keine Regel ohne Ausnahme

Selbstverständlich können je nach konkreter Situation punktuelle Nachoperationen notwendig sein, so z.B. in Form einer sogenannten sprechunterstützenden Operation.Ferner wurde uns kürzlich von zwei Eltern mitgeteilt, dass im Bereich des Kiefers eine Nachoperation wohl unumgänglich sei. Doch gehören diese sekundären Eingriffe nicht zum "Standardprogramm". Sie werden dann (und nur dann) vorgenommen, wenn sie zwingend notwendig sind.

Neue Methode - gefährliche Methode?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass einige Spaltzentren nicht objektiv über die Methode des Basler Konzepts informieren. Tatsache ist: Bis heute konnte trotz intensiven Nachfragens niemand den wissenschaftlich erhärteten Beweis erbringen, wonach die "einzeitige Methode" gegenüber der herkömmlichen Operationstechnik Nachteile aufweist. Vgl. hierzu auch unsere Rubrik "Aktuelles".

Fazit

Nach unserem Verständnis weist diese Methode wesentliche und prüfenswerte Vorteile für das Kind und die Familie auf - einerseits in Bezug auf die Wiederherstellung der körperlichen Voraussetzungen für verschiedene Funktionen wie z.B. Sprechen, andererseits durch eine deutlich geringere Belastung für Kind und Eltern.