•  
  •  




Wie schon an anderen Orten dieser Homepage festgehalten, kann das Basler Konzept zu grossen Emotionen führen. Da wird zum Teil Kraut und Rübe durcheinander gebracht, polemisert, wider besseres Wissen dieses oder jenes behauptet usw.

Im folgenden gehen wir auf die gängigsten Meinungen bzw. Legenden ein, die ähnlich einer tibetanischen Gebetsmühle vornehmlich in Diskussionsforen immer wieder auftauchen und Eltern, die im Entscheidungsprozess stehen, gehörig verunsichern können.

Die Frage nach dem "Mut"

Zitat: „Mut, um sein Kind so lange in eine OP zu schicken und so lange zu bangen das alles gut geht und das die kleinen auch alles heil überstehen! Und Glück, dass dann wirklich alles auf einmal verschlossen bleibt, schön verheilt und das Gerenne mit dem Kind sich wirklich in Grenzen hält“.

Hier werden zwei grundlegende Aspekte angesprochen: Zum einen das Argument der angeblich langen OP-Dauer, zum anderen die Frage nach der Verheilung. 

Zum Zeitfaktor

Dieses "Argument" wird regelmässig ins Feld geführt. Deshalb wollen wir nochmals und in aller Deutlichkeit festhalten, dass heute die Dauer des Eingriffs kein Problem mehr darstellt. Von Seiten der Anästhesiologie gibt es aufgrund ihrer modernen Möglichkeiten keinerlei Bedenken gegen eine verlängerte Operationszeit mehr, denn hier sind ab Mitte der 80er Jahre bedeutende Fortschritte erzielt worden. Kommt hinzu, dass die einzeitige Operation effektiv zwischen 3 und 4 Stunden dauert – gewisse OP’s im Rahmen der traditionellen Methoden können ebenso lange dauern. 

Nicht die Dauer der OP ist heute problematisch, sondern nach wie vor das Einleiten bzw. das Beenden der Narkose – wie beim Fliegen: Die meisten Unfälle in der Luftfahrt geschehen nicht wegen langer Reisedauer. Die technisch bedingten Unfälle passieren vorweg beim Starten oder beim Landen. Diese Analogie hatte Hr. Honigmann auf eine entsprechende Frage von uns gewählt. Die dahinter stehende medizinische Erkenntnis wird von seriösen Vertretern des Fachs nicht bestritten. 

Zur Verheilung

Wir sehen hier das angesprochene Problem nicht. Im Gegenteil, durch die einzeitige OP-Technik erfolgt der gesamte und grundsätzlich einmalige Eingriff in einem narbenfreien Umfeld. Es braucht auch kein „Glück“, dass „alles schön verschlossen bleibt“. Hier ist das Handwerk, das professionelle Können des Chirurgenteams gefordert. Ganz abgesehen davon, dass das hier aufgeworfene Problem unabhängig vom Konzept  besteht. Ein Chirurg oder eine Chirurgin muss auch beim mehrzeitigen Verfahren darauf achten, dass korrekt operiert wird. 

Zum Schluss die Frage, „ob sich denn das Gerenne in Grenzen hält“. Ja, umso mehr, als man beim Basler Konzept davon ausgehen kann, dass mit der einen Operation „die Geschichte erledigt ist“ und das Kind ganz normal aufwachsen kann, ohne Bange und in Erwartung weiterer OP’s. Das ist denn auch eine wesentliche Stärke dieses Konzepts, dass Eltern und Kind grundsätzlich davon ausgehen können, dass nach dem ersten Eingriff keine weiteren mehr zwingend erfolgen müssen.

Fehlende Langzeitstudien

Darauf gehen wir im Rahmen unserer Fragen an die verschiedenen Behandlungszentren näher ein. Hier nur soviel: Hinter diesem sachlich falschen Argument versteckt sich auch eine gehörige Portion (ungewollter?) Zynismus.

Von langen Schnitten und Blutkonserven

Originalzitat: Sind Blutkonserven wirklich so erstrebenswert? Außerdem gehen die OPs über viele Stunden und damit meine ich nicht 4 oder 5, sondern 8 und mehr. Ist das vielleicht schonend? Von den großen Schnitten ganz zu schweigen".

Grosse Schnitte? In welchem Sinn? Nun, unsere Tochter bekam nicht "grosse Schnitte" (wer definiert, was grosse Schnitte denn sind?), und Blutkonserven gab es auch nicht. Hier handelt es sich wohl um das unbedachte Wiederholen dessen, was der eigene Hauschirurg sich ausgedacht hat. Mit seriöser Kritik hat das nichts zu tun. Ebenso die erwähnten acht Stunden "und mehr" (sic!)- sie gehören ins Reich der Phantasie (s. dazu weiter oben).